Hartmann Digital Solutions · 2026
Vom Rohvideo zum veröffentlichten Reel — ohne Videoschnittprogramm und ohne Agentur. Du filmst mit dem Handy und legst die Datei in einen Ordner. Den Rest übernimmt das System.
Regelmäßige Sichtbarkeit in sozialen Netzwerken hängt nicht am Filmen, sondern an der Nachbearbeitung. Schnitt, Untertitel, Ton, Text, Terminierung und Veröffentlichung sind sechs getrennte Arbeitsschritte in meist ebenso vielen Programmen.
Für Menschen, die etwas zu sagen haben, aber keine Cutter sind, ist genau das die Hürde — nicht die Kamera.
Was in der manuellen Nachbearbeitung mindestens 15 Minuten pro Minute Video verlangt, erledigt die Reel Machine auf Knopfdruck und vollständig selbstständig. Eine komplette Reel-Agentur auf dem eigenen Rechner.
Sechs Schritte · jeder Zwischenstand sichtbar und abspielbar
Das mit dem Handy gefilmte Video wird in einen Ordner gelegt. Der Input-Bereich zeigt sofort alle Originaldateien.
Sprechpausen werden erkannt und entfernt. Es entsteht ein fließender Sprechtext ohne Leerlauf.
Untertitel im gewählten Stil werden eingebrannt. Der Karaoke-Effekt hebt das jeweils gesprochene Wort hervor. Die Stilbibliothek wird laufend erweitert.
Track und Lautstärke der Hintergrundmusik werden gewählt und gegen die Sprachspur ausgepegelt. Die verwendeten Tracks sind lizenzfrei.
Die Begleittexte für die Veröffentlichung werden auf Knopfdruck erzeugt und bleiben vor der Freigabe editierbar.
Tag und Uhrzeit werden gesetzt. Die Veröffentlichung erfolgt gleichzeitig auf Instagram, Facebook, TikTok, LinkedIn und YouTube Shorts.
Architektur und Ablauf
Das System ist eine Kette aus klar getrennten Stufen. Jede hat einen definierten Eingang, einen definierten Ausgang und ein prüfbares Zwischenergebnis. Ein lokaler Python-Server nimmt die Aufträge entgegen und liefert die Bedienoberfläche an den Browser aus.
Alles bis zum fertigen Reel läuft auf dem eigenen Rechner. Die drei externen Dienste sind vollständig abschaltbar — fehlt einer, meldet nur die betroffene Funktion einen Fehler, der Rest der Kette läuft weiter.
Eingang
Zwei Wege zum selben Ziel: Datei in die Oberfläche ziehen, oder in einen vereinbarten Ordner legen, den der Server alle 30 Sekunden prüft. Für den Ordnerweg sind keine Zugangsdaten nötig, nur ein Pfad.
Schnitt
Das Video wird lokal transkribiert. Aus Stilleerkennung und Wortzeitmarken entstehen die Schnittpunkte; Pausen, Verhaspler und Füllwörter fallen heraus, ein Rest bleibt stehen, damit es nicht gehetzt klingt. Für viele Videos gleichzeitig ausführbar.
Untertitel
Aus demselben Transkript, wortweise mitlaufend, fest ins Bild gebrannt statt als separate Spur — dadurch auf jeder Plattform sichtbar, auch ohne Ton.
Ton
Optional. Musik wird unter die Stimme gemischt und so ausgepegelt, dass die Sprache vorn bleibt. Die Tracks sind selbst erzeugt und damit lizenzfrei.
Fertiges Reel
Liegt als Datei auf der Festplatte und ist direkt in der Oberfläche abspielbar. Ab hier kann der Ablauf enden — Herunterladen und selbst hochladen ist jederzeit möglich.
Begleittext
Optional. Aus dem Transkript entsteht die Caption für die Veröffentlichung, abgerechnet nach Textmenge im Bereich von Bruchteilen eines Cents. Ohne dieses Konto wird trotzdem geschnitten.
Terminierung und Veröffentlichung
Optional. Das Reel wird zunächst in den Cloud-Speicher geladen und dann an die Planungsschicht übergeben, die es zur gewählten Zeit auf Instagram, TikTok, Facebook, YouTube und LinkedIn einstellt.
Laufzeit: Python · FFmpeg · Whisper mit lokalem Sprachmodell
Bedienung: Browser-Oberfläche gegen einen lokalen Server; sechs Zähler zeigen, wie viele Videos an welcher Station stehen
Mobil: zweite, verschlüsselte Adresse mit selbst erzeugtem Zertifikat — nur darüber gibt das Smartphone seine Kamera frei
Konfiguration: eine einzige .env-Datei für Pfade und Zugangsschlüssel, außerhalb des Programmcodes
Externe Dienste: Anthropic API (Texte) · GoHighLevel (Ausspielung) · Google Drive (Ein- und Ausgang) — alle drei freiwillig
Der Schnitt lässt sich für viele Videos gleichzeitig anstoßen — das ist der Schritt mit dem größten Zeitgewinn und dem geringsten Entscheidungsbedarf. Trotzdem bleibt jede Stufe einzeln aufrufbar, mit Live-Vorschau der Zwischenstände.
Das ist eine bewusste Entscheidung gegen die Blackbox: Ein System, das am Ende nur ein fertiges Video ausgibt, lässt sich im Fehlerfall nicht korrigieren, sondern nur neu starten. Wer sehen kann, an welcher Stelle das Ergebnis kippt, greift dort ein statt von vorn zu beginnen.
Kein Dienst ist Voraussetzung für den Betrieb. Fehlt ein Zugang, meldet die betroffene Station das im Klartext und der Server läuft weiter — kein Abbruch, kein Datenverlust. Wer klein anfängt, zahlt nichts und kann später aufstocken, ohne etwas neu einzurichten.
Das war eine bewusste Entscheidung gegen die übliche Bauweise, bei der ein fehlender Schlüssel die ganze Kette stoppt. Der Preis dafür ist mehr Fallunterscheidung im Code, der Gewinn ist ein System, das auch dann arbeitet, wenn ein Anbieter ausfällt oder eine Rechnung offen ist.
Die Hintergrundtracks werden selbst erzeugt und sind dadurch lizenzfrei. Hintergrund ist die zunehmende Zahl von Abmahnungen wegen gewerblich genutzter Musikstücke in Social-Media-Inhalten. Für ein System, das automatisiert und in großer Menge veröffentlicht, ist eine geklärte Rechtelage keine Nebensache, sondern Voraussetzung.
Das System läuft auf einem durchlaufenden Rechner. Die Fernsteuerung per Smartphone befindet sich im finalen Entwicklungsschritt — damit entfällt die Bindung an den Arbeitsplatz und der Ablauf lässt sich von unterwegs auslösen und überwachen.
Der eigentliche Gegenstand dieses Projekts ist nicht die Videobearbeitung, sondern die Prozesskette. Es geht darum, Prinzipien und Prozessketten zu kennen, zu verstehen, zu analysieren und zu gliedern — und daraus einen Workflow zu bauen, der alle nötigen Teilschritte sinnvoll und effizient abarbeitet.
Diese Arbeitsweise ist unabhängig vom Fach. Ob Belegverarbeitung, Kundenanlage oder Content-Produktion: Der Aufbau bleibt derselbe — Auslöser bestimmen, Schritte trennen, Zwischenergebnisse prüfbar halten, Übergaben an Fremdsysteme sauber definieren.